Der November hatte es in sich – positiv wie negativ. Aus fünf Meisterschaftsspielen holten wir 14 Punkte und damit fast das Maximum. Im Cup stiessen wir dank Auswärtssiegen in Lugano und Langenthal in den Halbfinal vor. Die Mannschaft befand sich auf einem guten Weg, doch dann wurde der ZSC-Höhenflug abrupt gestoppt und es folgte die grosse Ernüchterung: Unser Team musste bereits zum zweiten Mal für zehn Tage in die Quarantäne. Was für die Spieler leider zum zähen Alltag geworden ist, ist auch für die Fans, Sponsoren, Partner und Gönner und nicht zuletzt für den ganzen Staff einfach nur haarsträubend.

Nun, auch ich persönlich musste mich nach der Hiobsbotschaft zurechtfinden. Selbst unser akribisches Schutzkonzept mit ausserordentlichen Massnahmen (z.B. UV-Licht in der Garderobe, PET-Boxen auf der Spielerbank) hat uns nicht vor der Quarantäne bewahrt, wobei über den Ort den Ansteckungen nur gemutmasst werden kann. Wir sind auf alle Fälle überzeugt, alles Menschenmögliche für ein sicheres Sportler-Umfeld getan zu haben. Und wir werden weiterhin nach bestem Wissen und Gewissen versuchen, uns und die Mannschaft vor dem Virus zu schützen!

Es wird uns allen vor Augen geführt, dass das unbeschwerte Fan-Dasein, der Jubelschrei im Stadion, das Fingernägel kauen, die Sieges-Freude und Enttäuschung bei einer Niederlage keine Selbstverständlichkeit ist. Ohne Zuschauer im Stadion fehlen die Emotionen. Unseren Spielern / Coaches kann ich nur ein Lob aussprechen, wie sie mit dieser aussergewöhnlichen Situation umgehen. Ich weiss aber auch, dass unsere Mannschaft sich nichts sehnlicher wünscht, als dass die Fans baldmöglichst wieder den Spielen beiwohnen können und die Emotionen zurück ins Hallenstadion bringen. Es geht weiter, es muss weitergehen, vielleicht mit etwas Verzögerung und viel Geduld. Aber dafür kämpfen wir mit allen Mitteln. Wir müssen uns der Herausforderung stellen und ich bin mir nach wie vor sicher, dass wir diese Krise gemeinsam meistern werden.

Die Gesundheit ist das Wichtigste. Aber aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht ist es genau so wichtig, dass wir überhaupt Eishockey spielen können, sonst wird der Schaden noch grösser. Das Produkt Eishockey ganz vom Markt zu nehmen und keine TV-Präsenz mehr zu haben, wäre fatal. Deshalb war und bin ich klar für die Fortsetzung der Meisterschaft.

Kürzlich sah ich eine Mannschaft unseres Nachwuchses trainieren. Die Freude der Kinder war überwältigend, sie setzten das Gezeigte um und hatten immer dieses freudige, aber kampfbetonte Lächeln im Gesicht. Es war ein grosser Trost zu sehen, dass nebst den ZSC Lions und den GCK Lions wenigstens unser Nachwuchs wie auch das Frauen-Team in dieser besonderen Zeit ihrem Lieblingssport nachkommen konnten. Natürlich fehlten den Jüngsten die «Fights» gegen andere Teams, in den Trainings jedoch hielten sie sich fit und kämpfen sich mit viel Herzblut ganz nach oben. Die dem Spitzensport angegliederte U20-Elit und U17-Elit durfte weiterhin auch Meisterschaftsspiele austragen und beide mischen in der Spitzengruppe mit. Unsere Frauen grüssen souverän vom ersten Platz. Wie die Regelung betreffend Trainings / Spielbetrieb bei den Junioren und Frauen für die nächsten Tage und Wochen aussehen wird, hängt nicht nur vom Bundesratsentscheid, sondern auch vom Kanton Zürich ab. Hoffen wir das Beste! Die GCK Lions in der Swiss League, last but not least, haben sich mit tollen Leistungen ins breite Tabellenmittelfeld gekämpft. Kompliment!

Was die in Aussicht gestellten Bundesgelder betrifft, haben wir uns entschieden, für die ZSC Lions und die GCK Lions je ein Darlehen aufzunehmen. 25% vom betrieblichen Aufwand, zinslos über einen bestimmten Zeitraum rückzahlbar. Eine weitere Massnahme wäre ein Antrag auf einen A-fonds-perdu-Beitrag, dessen genaue Bedingungen wir noch nicht bis ins letzte Detail kennen. Wenn alle Informationen vorliegen, werden wir im Januar entscheiden, ob wir davon Gebrauch machen werden. Unsere Sparmassnahmen leiteten wir bereits im letzten Frühling, als die Saison abgebrochen wurde, ein. Einerseits konnten wir Kurzarbeitsentschädigung in Anspruch nehmen, andererseits haben Spieler und Staff einer Lohnstundung und in einem zweiten Schritt einem Lohnverzicht zugestimmt. Weitere rigorose Kostenoptimierungen sind unumgänglich.

Trotz allen Widrigkeiten ist es schön zu sehen, dass uns die ZSC Lions mit starken sportlichen Leistungen grosse Freude bereiten. Extrem dankbar sind wir über den Rückhalt, den uns unsere Saisonkartenbesitzer, Fans, Sponsoren, Partner und Gönner spüren lassen. Dass uns bisher kaum finanzielle Rückforderungen erreicht haben, werten wir als Zeichen einer tiefen Verbundenheit. Herzlichen Dank!

Das zweifellos denkwürdige Jahr 2020 gehört bald der Vergangenheit an. Ich hoffe sehr, dass die behördlichen Massnahmen die gewünschten Resultate bringen und wir schon sehr bald wieder zum (Eishockey)-Alltag mit allen Facetten übergehen können. Von Herzen wünsche ich der ganzen Lions-Familie zum Jahresausklang eine besinnliche Weihnachtszeit, alles Gute fürs 2021, und bedanke mich gleichzeitig für die unermüdliche Treue und das Durchhaltevermögen.

Bleibt gesund!

Euer Peter Zahner,
CEO der ZSC Lions AG