Schauplatz Kunsteisbahn Oerlikon, die ZSC Lions trainieren gerade. Immer wieder hört man Anweisungen mit deutlicher Stimme vom neuen Coach Rikard Grönborg. Er ist grossgewachsen und kräftig. Seine physische Präsenz unterstreicht die Autorität. Das Team arbeitet höchstkonzentriert. Sei es bei den gemeinsamen Übungen wie die Angriffsauslösung, das Powerplay und Boxplay. Oder sei es bei den vielen individuellen Drills, die zum Beispiel schnelle Abschlüsse aus dem Slot erfordern. Grönborg verlangt seinen Spielern alles ab. Bewusst. «Intensität ist mir sehr wichtig, sonst sind die Trainings sinnlos», sagt der 51-jährige Schwede, der ebenfalls den amerikanischen Pass besitzt. Von einer harten Gangart zu sprechen, ist richtig. Aber nicht nur, denn es gibt da auch die andere, angenehmere Seite von Rikard Grönborg. Durch Einzelgespräche spürt er die Spieler und versucht jene Rolle zu finden, in der jeder einzelne aufblüht. Chef, Ausbilder und Kommunikator sein, genau das wird vom neuen ZSC-Headcoach verlangt. Und Grönborg, der zweifache Weltmeistertrainer mit Schweden, bringt viel mit.

Buchstäblich Neuland

Vor 25 Jahren startete Rikard Grönborg seine Trainerkarriere an der St. Cloud University in Minnesota, zehn Jahre später zog es ihn zum schwedischen Verband. Dort war er 13 Jahre äusserst erfolgreich auf verschiedenen Stufen (U18, U20, A-Nationalmannschaft) in verschiedenen Funktionen (Scout, Assistent, Cheftrainer) tätig. Er war für die Ausbildungsphilosophie des Verbandes verantwortlich und hat zusammen mit den vielen Erfolgen das schwedische Eishockey massgeblich geprägt. Jetzt betritt Grönborg Neuland, denn eine Klubmannschaft aus der höchsten Liga wie die ZSC Lions hat er noch nie trainiert. Aber da der Schwede als Spieler und auch als Coach diese Klubebene kennengelernt hat, überwiegt die Vorfreude. «Die tägliche Arbeit mit den Spielern vermisste ich als Nationaltrainer, deswegen entschied ich mich für den Schritt nach Zürich. Eine spannende Veränderung mit einer anspruchsvollen neuen Aufgabe.»

Viel Expertise

An seiner Seite weiss Grönborg die beiden Assistenten Fredrik Stillman und Johan Andersson – zwei in ihren vorgesehenen Bereichen echte Profis und ebenfalls Schweden. Stillman hat die Verteidigung und das Boxplay unter sich, war selbst ehemaliger Spitzenverteidiger. Als zweifacher Weltmeister und einmal Olympiasieger sowie schwedischer Meister weiss er, wie man gewinnt. In Schweden und Russland feierte der 53-Jährige auch als Assistenztrainer und Sportchef Erfolge. Stillman bringt internationale Erfahrung mit und spricht dank seiner Zeit als Spieler in Berlin gut Deutsch.
Johan Andersson ist ein Weggefährte von Grönborg, dem er in der schwedischen Nationalmannschaft auf allen Stufen jeweils als Assistent und Videocoach zur Seite stand. Dieselben Rollen füllt Andersson nun auch beim Stadtklub aus – sprich als Trainer auf dem Eis während den Trainings und als Videocoach auf der Tribüne während den Spielen. Der 34-Jährige ist in hohem Masse bestrebt, Detailgenauigkeit zu erreichen. Andersson treibt zudem die interne Weiterbildung der Lions-Trainer in der Swiss League und insbesondere im Nachwuchs voran.

«Klare Tagesstruktur»

Sportchef Sven Leuenberger berichtet Positives von den ersten gemeinsamen Wochen: «Die Coaches sind gut organisiert, haben eine klare Tagesstruktur und kommunizieren viel mit den Spielern. Sie zeigen ihnen konkrete Videoausschnitte und korrigieren direkt auf dem Eis, wenn es nötig ist.» Worte, die hoffen lassen. Im Idealfall sieht das Szenario wie folgt aus: Schauplatz Hallenstadion, irgendwann während der Saison. Die Anweisungen von Rikard Grönborg hören die Spieler nicht mehr. Zu laut sind die Jubelschreie der Zuschauer auf den Rängen. Soeben ist ein weiteres Tor für die ZSC Lions gefallen.