Aus die Maus, der Zett ist raus. Das Schreiben der Spielberichte war in den vergangenen zwei Spielzeiten eine einfache Sache. Am Ende hat einfach immer der ZSC gewonnen. Nach der diesjährigen Halbfinalserie gegen den HC Davos wissen wir, am Ende gewinnt immer der HC Davos. Der überragende Qualifikationssieger hat sich im Duell mit den ZSC Lions nicht düpieren lassen und ist fast unbeschadet in den Final einmarschiert. Die Serie hat man wohl auf verschiedenen Ebenen verloren und nicht an diesem Abend. Mangelnde Effizienz und das nötige Puck-Glück fehlten dieses Jahr. Etwas, was in den vergangenen zwei Jahren fast schon selbstverständlich für den Zett liefen. Am Ende bleiben hängende Löwenköpfe, die sich zu Beginn der Spielzeit soviel vorgenommen haben und nun mit leeren Händen da stehen. Und doch, noch lange nach Spielschluss verabschieden die mitgereisten Fans unsere Spieler und zollen ihren Respekt. Ein Zeichen, dass bei den ZSC Lions der Haussegen nicht schief steht – nur die grosse Sause steigt dieses Jahr in Davos oder Fribourg.
Guter Auftritt
Die ZSC Lions starten sehr gut in diesen elektrisierenden fünften Halbfinal. Beide Teams sowie Fanlager sind bis in die Haarspitzen motiviert und wollen siegreich vom Eis gehen. An Chancen mangelt es am Sonntagabend nicht. Die Fans kommen inklusive Verlängerung in den Genuss von über 70 Torabschlüssen. Die beiden Torhüter Sandro Aeschlimann und Lions-Goalie Simon Hrubec sind total auf der Höhe und entschärfen was das Zeug hält. Das Spiel hat ein wenig den Charakter des ersten sowie dritten Spiels. Der ZSC hat Chancen, trifft aber nicht. Er wirkt gefährlich und doch irgendwie zahm. Während der HCD gefühlt bei jedem Nadelstich von einem Raunen aus den Zuschauerrängen begleitet wird. Mal klimpert die Torumrandung, mal ist im Slot die Hölle los. Nach 22. Minuten jubeln dann die Limmatstädter ein erstes Mal. Die Torszene hat eine brisante Vorgeschichte. Wenige Augenblicke zuvor verliert Justin Sigrist in einem Duell ein wenig regelwidrig den Stock. Er schnappt ihn sich wieder, sprintet vor die Kiste und wird dort mustergültig bedient. In vollem Tempo legt er sich in den Schuss und bringt die Lions in Führung – jetzt nur nicht nachlassen. Doch der HC Davos ist dieses Jahr die personifizierte Antwort. Vier Minuten später trifft Stransky zum 1:1, welches erst nach kurzer Videokonsultation bestätigt wird. Es wird eine Partie auf Messerschneide von nun an. Kontermöglichkeiten von Lammikko oder Abschlüsse von Malgin werden mirakulös von Aeschlimann entschärft. Was aber mehr weh tut, ist die Ausbeute in Überzahl. Wieder haben sie eine Handvoll Möglichkeiten, wieder will kein Tor gelingen. Dabei sind bei zehn Minuten Überzahlspiel schon andere Spiele entschieden worden, nicht so heute in Davos.
KO-Schlag
«Nun geht es um die Wurst», meint Justin Sigrist in der Pause vor der Verlängerung. Und er wird wohl Recht behalten. Reizfigur Brendan Lemieux macht den Sack mit einem sehenswürdigen Treffer zu und schickt seine Farben in den Final – die Zürcher gehen leer aus. Sie verlieren die Partie mit 1:2 nach Verlängerung und die Halbfinalserie gar mit 1:4. Schlussendlich wohl eine klare Sache, wenn auch einige spiele besser waren als ihr Schlussresultat. Mit der Schlusssirene endet dann auch die Ära Denis Hollenstein bei den ZSC Lions. Der Offensivakteur der in den vielen Jahren für wundervolle Tore und atemberaubende Aktionen gesorgt hat, wird das ZSC-Dress nicht mehr tragen. Gleiches gilt für Dario Trutmann, der gemeinsam mit Denis nun seine Derniere hinter sich hat. Wir sagen an dieser Stelle bereits DANKE für ihren Einsatz im Löwen-Jersey. Es war uns eine Ehre mit euch. Juho Lammikko meinte nach dem Ende schlicht und einfach: «Wer keine Tore schiesst, hat im Final eben nichts verloren.» So hart es klingt, so wahr ist es. Die wenige Ausbeute führte zur Endstation Halbfinal, was nicht hätte sein müssen. Trotzdem ist der Finaleinzug des HC Davos verdient und das Saisonende der Stadtzürcher Tatsache. Merci Fans für den unermüdlichen Einsatz und Support über die ganze Spielzeit und drüber hinaus.
Ihr sind die Beschte!
(Marko Filipovic, Davos)
Fotos: Media Team ZSC Lions, Marko Filipovic
