Was eine Partie in der Cornèr Arena von Lugano. Kaum etwas erinnert noch daran, dass vor gut zwei Wochen hier der National League Spieltag 50 abgespult wurde. Harte Checks, freche Skills, geile Tore und viele Fights – all das war heute auf dem Programm. Die Hausherren haben sich nach einer guten Vorstellung in Zürich viel vorgenommen. Der eigene Anhang wird über weite Strecken erneut nicht enttäuscht. Bitter nur aus Sicht von Lugano, dass auf der Anzeigetafel die Realität eine andere ist. 5:4 siegen die Zürcher auch im zweiten Spiel und sichern sich somit das erste Break der Serie. Die ZSC Lions kommen wohl aufgrund der Geschehnisse im letzten Abschnitt nochmals mit einem blauen Auge davon. Aber wer die ersten 40 Minuten anschaut, der weiss, der Zürcher Sieg ist nicht gestohlen. Der Zett glänzt auch heute mit eiskalter Effizienz.
Viel Zunder im Spiel
Nicht nur die neun Tore am heutigen Abend ergeben ein solides Highlight-Video, sondern auch die vielen Dinge die Rund um dieses Spiel passieren. Alessio Bertaggia ist dabei immer wieder im Mittelpunkt und zeigt sich von der eher ungesitteten Seite eines Hockeyspielers. Als er ohne Rücksicht auf Verlust den Schweden Jesper Frödén fast brutal umhaut, nimmt Juho Lammikko sich den Tessiner zur Brust. Bertaggia ist bereits auf der Spielerbank, da zupft ihn Lammikko zurück aufs Eis und stellt – besser gesagt legt – ihn vor vollendete Tatsachen. Revanche für den Kollegen nennt man das. Geschenkt wurde nämlich sowieso kaum etwas an diesem Abend. Es dauert gerade Mal sechs Minuten, da gelingt Lugano der Traumstart! Emanuelsson lässt die Bianconeri-Herzen höher schlagen. Der Jubel grenzt an eine Explosion, nachdem Lugano in Zürich trotz vieler Topchancen den Jubelschrei nicht herauslassen durfte. Die Reaktion folgt aber prompt: Jesper Frödén gleicht nach schönem Spielzug in Überzahl aus. Ach dieser Frödén, was hat der schon für wichtige Treffer für den Zett erzielt. An dieser Stelle ein Sonderlob! Keine zehn Minuten später nämlich sorgt er für die Kehrtwende und die erstmalige ZSC-Führung. Um das Drittel perfekt abzuschliessen erhöht Dean Kukan knapp 90 Sekunden vor der ersten Pause auf 3:1. Grande Zurigo!
Zitterpartie
Obwohl Lugano zur Spielmitte auf 2:3 verkürzen kann, liegt zu diesem Zeitpunkt des Spiels nicht mehr drin für die Luganesi. Zuerst stellt Baechler den alten Zwei-Tore-Vorsprung wieder her, ehe Sven Andrighetto dann vor der zweiten Pause auf 5:2 erhöht. Der Drops scheint gelutscht, oder? Denkste, der Zirkus in Lugano hat Bock auf Spannung. Von nun an wird es richtig wild. Die Bianconeri kommen wie die Feuerwehr aus den Katakomben und ballern munter drauf los. Coach Marco Bayer warnte zuvor sein Team genau vor solch einem Szenario im dritten Drittel. Und doch können Marti, Geering und Co. sich nur bedingt wehren. Peltonen und anschliessend Fazzini verkürzen auf 4:5, bei knapp zwei Minuten Restspieldauer. Für Luca Fazzini gilt dann aber das Motto «from Hero to Zero». Er gönnt sich eine Strafe zum ungünstigsten Zeitpunkt und nimmt so seinen Kollegen den Wind aus den Segeln. Seine Kameraden scheitern dann noch bei leerem Tor nur Zentimeter an Simon Hrubec und dem Aussennetz. So nehmen die Zürcher den zweiten Sieg der Viertelfinalserie danken an. Nebst einigen Bechern und Pappflieger, finden auch wertvolle 25 geworfene Rappen den Weg auf die ZSC-Spielerbank. Soviel zu Thema Fairness auf den Rängen. Den Zürchern kann es am Ende egal sein, es zählt nur der Sieg an diesem Montagabend in Lugano.
(Marko Filipovic, Lugano)
Fotos: Media Team ZSC Lions, Marko Filipovic
