Justin Azevedo ist der neue Mister Nice-Guy bei den ZSC Lions und zeigt das bereits auf und neben dem Eis. Der Kanadier mit portugiesischen Wurzeln geht gern mit einem breiten Grinsen durch den Alltag und steckt damit seine Mitmenschen an. Seit seiner Ankunft in Zürich schwärmt er von seinen Mitspielern, der Organisation und seinem neuen Umfeld. Er ist glücklich darüber, in Zürich gelandet zu sein. «Ich geniesse ein tolles neues Daheim mit Aussicht auf den Flughafen Zürich, einfach nur atemberaubend.» Seit Mitte August teilt er diesen Anblick mit seiner Frau Andrea und seinen drei Kindern Harlo (5), Kai (3) und Baby Madden. Seine Kinder sind auch der Grund dafür, dass «Aze» sich erneut für die Nummer 51 in Zürich entschieden hat: «Ich habe lange mit der 15 gespielt, ehe ich in Russland die letzten sechs Jahre die 51 getragen habe. Meine Kinder kennen mich nur mit der 51, darum ist mir der Entscheid leichtgefallen.»

Bock auf Titel

Nach der vergangenen Saison wünscht sich der ZSC-Import ein neues Kapitel im Leben. Er entscheidet sich dazu, die russische KHL und Ak Bars Kazan zu verlassen und gerät in den Fokus der ZSC Lions. Ein wichtiger Faktor für ihn ist Coach Rikard Grönborg. «Ich wollte für ihn spielen. Meine schwedischen Kollegen habe mir nur Gutes über ihn erzählt, was mir den Schritt zum ZSC erleichtert hat.» Hier bei den Lions schätzt Justin sofort das gute Eishockey und den spürbaren Teamspirit. Er trifft aber auch auf alte Weggefährten aus jüngeren Zeiten. Mit Garrett Roe war er gemeinsam an einem Minicamp der LA Kings und mit Yannick Weber konnte er einst gemeinsam einen Juniorentitel feiern. Mit Maxim Noreau spielte Justin 2018 an einem Pre-Tournament für Kanada und dieser war auch sein erster Kontakt, um sich in Zürich zurechtzufinden. Kaum im Team angekommen, steht eine Wanderung als Teamevent an und das an einem Samstagmorgen. Spürbar geprägt von der russischen Kultur und deren Sitten, ruft er Noreau an und erkundigt sich über diese «Wanderung». «Max meinte dann, dass es um Spass gehe und darum, den Teamgeist zu fördern. Wir liefen schliesslich gemeinsam und mussten tatsächlich keinen Berg im Sprint erklimmen», erzählt Justin lachend. Willkommen in der gemütlichen Schweiz! Dafür will «Aze» sportlich hoch hinaus: «Ich werde alles dafür tun, um das Team besser zu machen», sagt er selbstbewusst. 2018 gewann er mit Ak Bars den Gagarin-Pokal und somit die KHL. «Es gibt kein besseres Gefühl, das möchte ich unbedingt nochmals erleben und am liebsten mit dem Zett.» Hier trifft er auf Qualität und vertraut dem Prozess. Für ihn ist jedoch klar: Hinter den Kulissen passieren die entscheidenden Dinge, um am Ende ganz oben zu stehen.

Harte Arbeit und Spassfaktor

Auf dem Eis beschreibt sich Azevedo als einen harten Arbeiter mit einem stetigen Lächeln im Gesicht. Justin ist nicht der Grösste, versucht aber so gross wie möglich aufzuspielen. Er trägt auch eine Vorbildfunktion, die er seriös vorzeigen will. «Ich kann meinen Mitspielern nicht «come on» sagen, aber selbst nicht pushen. Ich mag Spass, doch im Business heisst es für mich immer Vollgas geben.» Diese Denkweise verdankt er seinen Eltern. Er sagt, ihnen verdanke er seine ganze Karriere. Denn sie hätten hart dafür gearbeitet, um ihm dies alles zu ermöglichen. Seine Eltern wanderten schon als Kinder von Portugal nach Kanada aus, Justin selbst ist in Kanada geboren. «Bei mir ist immer die Rede von einem Kanada-Portugiesen, obwohl ich selbst nie in Portugal gewesen bin. Aber während einem Karriere-Abstecher in Finnland sollte ich noch eine portugiesische Identitätskarte lösen, um als Europäer zu gelten. So kam ich erst zur Staatsbürgerschaft – kurios.» Doch eigentlich, betont Justin Azevedo, rede er gar nicht gerne über sich selbst und lasse lieber Taten sprechen. Mit seiner Kämpfermentalität möchte er den Unterschied auf dem Eis ausmachen und neben dem Eis für seine Teamkollegen als erfahrene Ansprechperson fungieren. «Wenn wir alle an einem Strang ziehen und die Puzzlesteine richtig zusammensetzen, können wir Grosses erreichen. Ich habe wieder richtig Freude und Bock auf Eishockey und das am liebsten in einem vollen Stadion», schliesst «Aze» das Gespräch ab, während er seine erste Bratwurst im Zürcher Niederdorf verspeist.