31 Siege, 91 Punkte und in zehn der 13 wichtigsten Eishockeystatistiken (siehe unten) in den Top-3. Sechsmal davon sogar die Nummer eins. Die ZSC Lions haben eindrücklich auf die Seuchensaison 2018/19 geantwortet und die Saison 2019/20 als Qualifikationssieger abgeschlossen. «Die meisten Leute denken, dass wir offensiv eine sehr starke Saison hatten. Das ist korrekt. Aber mindestens genauso entscheidend war, dass wir defensiv sehr gut spielten», versucht Sportchef Sven Leuenberger die Sicht der Dinge etwas zu verändern und erklärt: «Das Team kam auf einen Top-2-Platz in der Defensive, was klar zeigt, dass unser Commitment zur defensiven Arbeit da war. Davon profitierten auch die beiden Goalies Lukas Flüeler und Joni Ortio, die einen super Job machten.»

Viel Selbstvertrauen

Wie es auch die Coaches zu tun pflegen, lässt sich die Saison der ZSC Lions gut in fünf Segmente à je zehn Spiele aufteilen, um nun rückblickend den unterschiedlichen Zustand der Mannschaft aufzuzeigen. Nach harzigem Saisonstart mit drei Niederlagen aus den ersten fünf Partien punktete der Zett viermal in Serie voll und sorgte damit für ruhige Gemüter. Diesen Schwung, daran änderte auch die zwischenzeitliche Niederlage in Lugano nichts, nahm das Team in die zweite Phase mit. Die Lions gewannen acht von zehn Begegnungen, übernahmen die Leaderposition und tankten viel Selbstvertrauen. Dieser Lauf war nötig, denn vom erlangten Selbstvertrauen zehrte der Stadtklub nach der schlechten dritten Phase von mitte November bis Ende Dezember, als die Mannschaft nur elf von 30 Punkten holte und in ein Tief geriet. «Es war schön zu sehen, dass niemand in Panik geriet. Die Spieler spürten das Vertrauen von allen in der Organisation, konnten sich auf ihre Stärken besinnen und ihre volle Konzentration der Arbeit widmen», erinnert sich Leuenberger.

Veritabler Schlussspurt

Der Turnaround folgte bereits in der vierten Phase: Fünf mehrheitlich positiv gestaltete Overtime-Spiele nacheinander bis zum 7. Januar bestärkten die Löwen in ihrem Plan. Sie schossen in den nächsten beiden Partien gegen Langnau zwölf Tore und fanden zu ihren Offensivqualitäten zurück. Das gipfelte in einem 9:6-Erfolg auswärts bei Servette zum Schluss von Phase vier. Ins Finish der Qualifikation starteten die Zürcher vielversprechend mit dem vierten Sieg gegen Davos im vierten Aufeinandertreffen. Zwei Dämpfer gegen Fribourg und Lausanne bewirkten dann eine grossartige Reaktion, einen veritablen Schlussspurt: Die ZSC Lions gewannen sechs der letzten sieben Spiele und lösten den EV Zug im 50. Match noch von der Tabellenspitze ab – auch weil sie die beiden Direktduelle mit 4:1 für sich entschieden.
«Wir gerieten zwar oft in Rückstand, zwangen das Resultat dann aber doch noch auf unsere Seite. Wir holten sogar Rückstände mit zwei oder drei Toren auf. Das schafft eine Mannschaft nur dann, wenn sie mit viel Selbstvertrauen ausgestattet ist», analysiert der Sportchef.

Die Arbeit zahlte sich aus

Ein Vergleich mit der Vorjahresstatistik offenbart grosse Verbesserungen in der Schusseffizienz (3. Platz / Vorjahr 11. Platz) und im Powerplay (2. Platz / Vorjahr 9. Platz). «Bereits in der Saison 2018/19 verzeichneten wir die meisten Schüsse aus dem Slot des Gegners heraus. Nur war da die Effizienz gut 1.5% tiefer. Das brachte uns in der Saison 2019/20 gleich 37 Tore mehr ein! Wir haben sehr viel Zeit ins Torschiessen investiert», führt Sven Leuenberger die deutliche Steigerung auf die tägliche Arbeit zurück. Im Powerplay war Neuzugang und Spielmacher Garrett Roe der Schlüssel zum Erfolg. Der Denker und Lenker des ZSC-Überzahlspiels hatte bei rund 40% aller Treffer seinen Stock im Spiel (ein Tor, 15 Assists).
Der Stolz der Trainer, verrät Leuenberger, war die Faceoff-Bilanz (Bullys) mit dem zweitbesten Wert der Liga. Und dies obschon die Lions über keinen Rechtsschützen als Center verfügten, was sich im Normalfall negativ auf die Bullygewinne auswirkt. «Mit geschickter Taktik und wertvollen Tipps an die Center leisteten unsere Coaches einen wichtigen Beitrag.»
Im Boxplay ortet der Sportchef noch Optimierungspotenzial, 37 Gegentore in Unterzahl sind zu viel. «Wir haben lange unsere Formationen nicht gefunden. Immerhin ist es gegen Ende der Qualifikation besser geworden, daran müssen wir anknüpfen.»

Gegenseitiger Respekt

Hauptverantwortlich für den erstaunlichen Wandel der ZSC Lions war Trainer Rikard Grönborg mit seinen beiden Assistenten. Das hat zum einen mit dem klaren und einfachen Spielkonzept zu tun, in dem die Spieler primär die Beine bewegen mussten und nicht gross Zeit zum Denken hatten. Die Trainings waren intensiv und auf das Spiel ausgerichtet. «Zum anderen schufen die Coaches mit ihren klaren Anweisungen und der guten 1:1-Betreuung ein echtes Vertrauensverhältnis», sagt Sven Leuenberger auch mit Berücksichtigung der Spieler-Feedbacks. Das Team spricht von «hohem, gegenseitigem Respekt» und von einem Coaching-Team, das «allen Vertrauen geschenkt hat.» Der Sportchef bringt noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Punkt ins Spiel: «Die neue DNA und neue Regeln wurden klar kommuniziert und von der Mannschaft ohne Wenn und Aber umgesetzt.»
Ziemlich genau vor einem Jahr hatten die Verantwortlichen des Stadtklubs alles gründlich analysiert und Probleme an der Wurzel gepackt, um Fortschritte möglich zu machen. Heute wissen wir: Die Massnahmen griffen und das Team performte wieder. Ein Spruch bewahrheitete sich dabei: Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um vorwärts zu kommen.

Statistiken 19/20

Tordifferenz: +42 – Rang 1
Erzielte Tore: 166 – Rang 1
Erhaltene Tore: 124 – Rang 2
Erzielte Tore bei 5v5: 122 – Rang 1
Erhaltene Tore bei 5v5: 84 – Rang 1

Schüsse aufs Tor: 1’728 – Rang 1
Schusseffizienz: 9.55% – Rang 3
Schüsse aufs Tor aus dem Slot: 766 – Rang 1

Powerplay: 22.41% – Rang 2
Boxplay: 79.21% – Rang 8
Strafen: 507 Minuten – Rang 6

Blockierte Schüsse: 674 – Rang 4

Bullys: 53.88% – Rang 2